Seit zehn Monaten steht in Offenburg Tauchen auf dem Stundenplan. Zeit für einen kurzen Rückblick. Die Resonanz auf das Pilotprojekt war überwältigend. Durch die Kooperation zwischen dem Schulzentrum Nordwest und dem 1. Tauchclub Offenburg hatten erneut 2300 Schüler im Alter von elf bis siebzehn Jahren die Möglichkeit, sich um 26 Plätze zu bewerben.
Tauchen und noch viel mehr
In der "AG" lernen die Schüler nicht nur das Tauchen, sie verbessern ihre Sinneswahrnehmung, erweitern ihre Körpererfahrung und übernehmen soziale Verantwortung. Die meisten Kinder des Kurses kommen aus Familien mit Migrationshintergrund. In der "AG" haben sie die Chance, sich zu integrieren: Berührungsängste und Vorbehalte gegen ausländische Kinder werden beim gemeinsamen Tauchen abgebaut. Partnerschaft zählt, selbst das unterschiedliche Leistungsvermögen des anderen wird akzeptiert und mit gegenseitiger Hilfe ausgeglichen. Mehrere Veranstaltungen innerhalb der "AG", wie zum Beispiel das "Tauchweekend", beziehen die Kinder in die Aktivitäten des Tauchvereins ein.
Die AG Sporttauchen war zunächst ausgerichtet auf einen Zeitraum von sechs Monaten. Zusätzlich zum Schnorchelabzeichen Otter für alle Teilnehmer bestanden sechs Jugendliche den Grundtauchschein, fünf erwarben darauf aufbauend im Verein das Deutsche Tauchsportabzeichen Bronze.
Großes ehrenamtliches Engagement erforderlich
Ein Projekt wie die "AG Sporttauchen" ist ohne staatlich lizenzierte Übungsleiter und die vielen freiwilligen Helfer im Hintergrund nicht möglich. Das Engagement der Initiatoren, der beteiligten Tauchlehrer, Übungsleiter und Helfer erfuhr Anerkennung in Form des zweiten Preises des Badischen Sportbundes unter 1000 Kooperationen und in Form einer Finanzierungszusage für das zweite Halbjahr durch die Stadt Offenburg.
Die Auszeichnungen und Anerkennungen waren dann auch Ansporn und Verpflichtung für die Fortführung des Projektes. Die Leitung der AG Sporttauchen wurde personell um Jürgen Spöri ergänzt und besteht nun aus Dirk Röstermundt (Projektkoordinator), Jo. Schwaemmle (Ausbildung, Werbung), Steffen Weinlich (Kommunikation) und Jürgen Spöri (sportlicher Leiter). Aufgrund der Erfahrung in der Pilotphase wurden verschiedene Änderungen vorgenommen. Die Gruppe wurde zahlenmässig auf 20 Teilnehmer reduziert und die Trainingseinheiten werden spielerischer gestaltet. Die tauchsportärzliche Untersuchung konnte über eine Kooperationsvereinbarung mit dem Josefs-Krankenhaus in Offenburg durchgeführt werden.
Einbindung von tauch-erfahrenen Jugendlichen
Die Ziele der AG wurden um den Punkt "Jugendliche lernen von Jugendlichen" erweitert. Aus der Pilotphase gingen vier Teilnehmer mit überdurchschnittlichem Engagement hervor. Zur Steigerung ihrer persönlichen Weiterentwicklung und Förderung der sozialen Kompetenz wurde ein individuelles Coaching-Programm entwickelt. Die Jugendlichen wurden zu Assistenten der Ausbilder. Unter Anleitung des sportlichen Leiters bringen sie Ihre Ideen bei der Erstellung der Trainingspläne ein. Das Einbringen eigener Vorschläge und Erfahrungen ist hierbei ausdrücklich erwünscht. Vor jeder Trainingseinheit wird das jeweilige Ziel der Ausbildungseinheit konkret spezifiziert und daraus unter pädagogischen und didaktischen Gesichtspunkten der Trainingsplan entwickelt. In der darauffolgenden Trainingsstunde werden die Pläne in die Praxis umgesetzt. Die Jugendlichen zeigen Ihren Kameraden die Grundlagen im Umgang mit Maske, Schnorchel und Flossen. "Es ist unbeschreiblich, zu beobachten, wie Kinder von Kindern lernen!" freut sich der sportliche Leiter Jürgen Spöri. Für die Assistenten bietet die Mitarbeit in der AG die Chance, als Jugendbegleiter anerkannt zu werden. Viele Schulen beteiligen sich an diesem Programm und fördern die Jugendbegleiter sowohl finanziell als auch durch verschiedene Weiterbildungs- und Austauschprogramme.
Nach Fastnacht beginnen die Geräteübungen zum Tauchschein.